
Die Bildhauerhalle
Unser Profil
2006 haben wir das Basisstudium Bildhauerei in der damals neu renovierten Bildhauerhalle in Bonn ins Leben gerufen. Seitdem findet es kontinuierlich statt und wird von Teilnehmern aus ganz Deutschland besucht. Die Qualität der Ausbildung hat sich seitdem kontinuierlich weiterentwickelt.
Wir haben einen Anspruch an die Vermittlung von künstlerischen und handwerklichen Inhalten und möchten Menschen für die Einzigartigkeit von Bildhauerei begeistern. Die Studiengänge sind offen für alle, die sich intensiv mit der Kunst der Bildhauerei beschäftigen wollen und dafür eine geeignete Schulung suchen. Wichtig für einen Einstieg ist ein starkes Interesse an neuen künstlerischen Erfahrungen und Prozessen.
Durch den regelmäßigen Rhythmus der Seminarabfolge, ist eine kontinuierlich aufbauende Entwicklung der eigenen Fähigkeiten im Basis- und Aufbaustudium möglich. Diese führt die Teilnehmer/innen von Studien nach der Natur, über die Abstraktion und verschiedenste Materialien und Techniken, stufenweise in die Entwicklung individueller Ausdrucksformen.
2024 haben wir das bis dahin dreijährige Basisstudium in das einjährige Basis- und das zweijährige Aufbaustudium geteilt. Die Mehrzahl der Teilnehmer/innen wechselt nach Abschluss des Basisstudiums in das Aufbaustudium.
Leitidee
Unserer Auffassung von Bildhauerei liegt die Idee zugrunde, dass Kunst sich auf den ganzen Menschen bezieht und dass sich durch die praktische und inhaltliche Arbeit neue Erfahrungsfelder und neue Entwicklungsmöglichkeiten ergeben. So werden die Ebenen des Denkens, der Intuition, der Emotionen, die sorgfältige Planung sowie der Zufall mit einbezogen. Kunst wird somit zum persönlichen Erfahrungsfeld und geht weit über die Produktion von nur „schönen Dingen“ hinaus.
Zielgruppe
Die Mehrzahl der Teilnehmer/innen suchen neue persönliche Perspektiven für sich. Das Berufs- oder Privatleben lässt ihnen Raum, um sich auf eine nebenberufliche Ausbildung einlassen können. Dieser Freiraum ist notwendig, um die vielen neuen künstlerischen Eindrücke und Erfahrungen produktiv zu verarbeiten, ohne insgesamt überfordert zu werden.
Die Anzahl vergleichbarer Kulturprojekte, mit einer professionellen Ausbildung außerhalb des staatlichen Akademiebetriebs, ist sehr gering. Daher reisen die Teilnehmer/innen aus ganz Deutschland an.
Soziales Miteinander
Eine Gruppe, in der die „Chemie“ stimmt, sorgt für eine entspannte, intensive und positive Arbeitsatmosphäre. Man findet hier Menschen, die sich für Kunst begeistern, was zu anregenden Gesprächen führt. Die freundschaftlichen Kontakte bleiben oft über viele Jahre bestehen.
Die Gruppendynamik ist eine produktive Kraft, die z.B. in der gemeinsamen Arbeit, in den Gesprächen über künstlerische Themen, in Werkbesprechungen und in gemeinsamen Ausstellungsbesuchen deutlich spürbar wird.
Inhalte
In den Seminaren wird ein breites Spektrum an Inhalten und Techniken vermittelt. Neben der Aneignung bildhauerischer Techniken steht die Entwicklung und die Reflexion schöpferischer Prozesse im Vordergrund. Thematisches, angeleitetes Lernen findet dabei im Wechsel mit freier Arbeit statt.
Gespräche und Werkbetrachtungen, sowohl zu den eigenen Werken als auch zu aktueller Kunst, erweitern Wahrnehmung und Kunstverständnis. Eine inhaltliche Ergänzung zur Arbeit in den Seminaren findet durch Ausstellungsbesuche statt.
Im Aufbaustudium werden neben der Arbeit an bildhauerischen Themen, Fotografie, Mappengestaltung und Ausstellungsbewerbung angeboten. In einer Abschlussarbeit werden eigene künstlerische Fragestellungen und Themen verwirklicht und in einer öffentlichen Ausstellung präsentiert.
Werkstoffe
Der Begriff der Plastik umschreibt die aufbauende Technik mit leicht formbaren Materialien, die im späteren Verlauf durch Trocknung (Ton), Abbindeprozesse (Gips und Beton), oder in Gussverfahren (Bronze) erhärten.
Ton ist hervorragend geeignet für Naturstudien, freie Entwürfe, Studien von Kopf und Figur und abstrakte Formen. Die Arbeit mit Ton kann ruhig und meditativ oder auch spontan und kraftvoll sein. Im gebrannten Zustand ist er hart und weitgehend wetterfest.
Wachs reagiert auf Wärme. Durch die Wärme der Hände wird er plastisch modellierbar. Er eignet sich durch diesen Wärmeprozesses besonders zum intuitiven arbeiten, kann aber ebenso für geometrische Konstruktionen genutzt werden. Der Wachs dient uns als Positivform für das Wachsausschmelzverfahren in der Bronzegießerei und wird nach dem Guss als Bronzeplastik von uns ziseliert und patiniert.
Gips ist ein sehr schnelles Material und kann leicht in expressive Arbeitsprozesse und Formen führen. Außerdem lädt er zum experimentellen, sowie auch intuitiven Arbeiten ein. Er eignet sich, mit entsprechendem Innengerüst, auch für groß dimensionierte Werke.
Beton Beim Bau von Negativformen für den Guss von Beton wird die räumliche Vorstellungskraft geschult und gefordert. Das was in der Gussnegativform Hohlraum ist, wird später nach dem Einarbeiten und Aushärten des Betons zur festen Form. Es entstehen bei dieser Technik architektonisch, geometrische Werke. Diese sind extrem stabil und wetterfest.
Skulptur ist der abtragende Arbeitsprozess mit harten Materialien, traditionell Holz und Stein. Wir arbeiten in der Bildhauerhalle mit Holz. Zunächst werden klassische manuelle Techniken geübt. Später kann mit der Motorsäge gearbeitet werden. Mit Motorsägen ist ein freies und expressives Arbeiten möglich, dass allerdings auch einige Übung erfordert. Manuelle und maschinelle Techniken können sich in der künstlerischen Arbeit in Holz ergänzen.
Im Abschlussjahr des Aufbaustudiums können zusätzlich individuell gewählte Materialien dazu kommen.
Sehschulung, Anatomie, Abstraktion, Proportion, Komposition
Durch anatomische Studien an der Natur, am Porträt und Akt, vorwiegend im Material Ton, wird die Wahrnehmung geschult. Grundbegriffe der dreidimensionalen Form wie konkav, konvex, Kante, Fläche etc., werden erkannt. Das Gefühl für Proportionen wird an der Natur entwickelt. Diese Studien bilden dann die Grundlage für die abstrakte und freie Arbeit.
Kompositorische Aspekte bilden, wie in jeder anderen Kunstrichtung, eine wesentliche Rolle im Gesamtgefüge der Arbeit. In Kompositionsstudien können Kompositionskriterien erfasst und im eigenen Werk eingesetzt werden.
Begriffe in der Kunst
Um die eigenen Werke inhaltlich zu fassen oder fremde Werke zu beschreiben, sollten die wichtigsten Begriffe aus der Kunst geklärt sein. In Gesprächen über Kunst in den Seminaren und den Werkbetrachtungen bei den Ausstellungsbesuchen werden Aspekte von Skulptur und Kunst diskutiert und Positionen von modernen Künstlern vorgestellt. Dadurch wächst die Kenntnis von Begriffen aus Kunst und Bildhauerei.
Werkbetrachtungen in den Seminaren
Betrachtungen der entstehenden oder entstandenen Werke in der Gruppe helfen diese zu begreifen.
Durch die Vielfalt der Betrachtungsweisen der Teilnehmer/innen, gelingt es nach einiger Übung eine fundierte Aussage über ein vorgestelltes Werk zu treffen.
Werkbetrachtungen in Ausstellungen und Museen
In Ausstellungsbesuchen zu traditioneller und aktueller Kunst finden intensive Werkbetrachtungen von Skulpturen und Installationen statt. In der Gruppe gelingt es sehr gut, Kunst zum Verständnis zu bringen, die für den Einzelnen rätselhaft bleibt. In der Betrachtung von Skulptur gelingt es so, tief in das Kunstwerk einzudringen und nicht nur zu verstehen sondern auch zu „begreifen“ und zu erleben.
Durch die Auseinandersetzung mit aktueller Kunst wird der künstlerische Horizont erweitert. So können neue Impulse für die eigene Arbeit entstehen.
Der künstlerische Prozess
Der künstlerische Prozess beschreibt verschiedene Phasen von der Idee bis zum fertigen Werk. Im Alltag und im Berufsleben ist dieser Weg meist pragmatisch vorgegeben. In der Kunst ist der Weg prozessorientiert und offen. Das bedeutet alltägliche Handlungsmuster zu überwinden und freie Arbeitsweisen zu entwickeln, um künstlerisch handlungsfähig zu werden.
Perspektiven
Nach Abschluss des Basis- und Aufbaustudiums besteht die Möglichkeit im Projektraum Skulptur die eigenen künstlerischen Ansätze weiterzuentwickeln. Die Erfahrung zeigt, dass fast alle Teilnehmer/innen künstlerisch aktiv bleiben. Sie suchen sich geeignete Atelierräume und stellen ihre Werke aus. Die Kunst nimmt somit einen neuen Schwerpunkt im Leben ein.
Was ist Kunst?
Diese Frage wird uns in Gesprächen häufig begleiten. Eine scharfe Definition ist nur schwer möglich. Vielmehr ist es sehr anregend, diese Frage in verschiedenen Zusammenhängen immer wieder neu zu stellen, an Werken der Kunst zu erfahren und für eine Erweiterung immer offen zu bleiben. Soviel ist sicher, sie kann für den, der sich auf den Weg zur Erfahrung von Kunst macht, eine große und intensive Bereicherung für sein Leben werden. Das Feld der Kunst ist unendlich groß und macht immer neue Erfahrungen möglich.
Zitat
„Der innere Mensch bleibt im alltäglichen Getriebe des Lebens meist verborgen. Künstlerisches Erleben schafft den Raum, indem sich der innere Mensch entfalten kann“.
Paul Advena, August 2026